Über Wissenschaft, (Pseudo-)Medizin, Aufklärung, Humanismus und den Irrsinn des Alltags

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Der Balken im eigenen Auge: Warum die Rentendebatte ihre einfachste Wahrheit nicht sehen will

Es gibt politische Debatten, die sich über Jahrzehnte im Kreis drehen, obwohl ihre innere Mechanik so schlicht ist, dass man sie in zwei Sätzen erklären könnte. Die Diskussion über die Zukunft der gesetzlichen Rentenversicherung gehört dazu. Sie ist ein Paradebeispiel dafür, wie politische, ökonomische und gewerkschaftliche Akteure um eine Wahrheit herumreden, die so einfach ist, dass sie fast peinlich wirkt.… Weiterlesen ...

Lebensleistung oder Beitragsstabilität?

Es gibt eine Grundsatzentscheidung, die ein Solidarsystem treffen muss: Will es anerkennen, dass eine lange, durchgehende Erwerbsbiografie – ob 44, 45 oder 46 Jahre – eine vollendete Lebensleistung darstellt? Diese Frage ist verhandelbar in der Zahl, aber nicht im Prinzip. Und ein Solidarsystem, das diesen Grundsatz nicht aushält, hat ein strukturelles Problem.… Weiterlesen ...

Sachsen‑Anhalt: Ein schönes Land im soziologischen Spannungsfeld

Es gehört zu den hartnäckigsten politischen Erzählungen der letzten Zeit, dass Sachsen‑Anhalt „abgehängt“ sei: übersehen, vergessen, materiell benachteiligt. Ein Land, das angeblich aus wirtschaftlicher Not heraus politisch nach rechts driftet. Doch diese Diagnose hält einer nüchternen Prüfung nicht stand. Die Fakten zeigen ein anderes Bild – und sie zeigen, dass die aktuellen Erfolge der AfD nicht aus Armut und materiellem Prekariat entstanden sind, sondern aus einem jahrzehntelang gewachsenen sozialen Spannungsfeld, das mit ökonomischen Kategorien kaum zu fassen ist.… Weiterlesen ...

Ein Kanzler im Gespräch mit sich selbst

Zur demokratiepolitischen Gefahr eines asymmetrischen Kommunikationsstils

Symbolbild: Gespräch mit dem eigenen Echo – Kommunikation als Spiegelung (Visualisierung: Microsoft Copilot)

Friedrich Merz ist ein begnadeter Nicht‑Kommunikator. Das zeigt sich nicht nur darin, dass er Fragen nicht beantwortet, sondern darin, dass er auf Fragen reagiert, die niemand gestellt hat. Die Szene mit der Kinderärztin bei RTL (die PZ ist eines der wenigen Medien, die die Situation verschriftlicht korrekt beschreibt) ist dafür ein Musterbeispiel: Sie kritisiert das Regierungshandeln und die Verantwortlichkeit von Merz scharf, lässt aber jede Spekulation über Motivationen außen vor.… Weiterlesen ...

Servicepost: Der Elternunterhalt in der Diskussion

Eine der derzeit umlaufenden politischen Schlagzeilen vermeldet, die gesetzliche Bruttoverdienstgrenze von 100.000 Euro, unterhalb der kein Elternunterhalt von Kindern gefordert werden kann, solle fallen. Das ist in der Tat im Gespräch. Nur wird die Folgerung daraus meist sehr verkürzt dargestellt.

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Die 100.000-Euro-Grenze war keine materielle Neuregelung des Elternunterhalts, sondern vor allem eine vereinfachende Regelung für die Verwaltungspraxis.… Weiterlesen ...

Die Causa Spahn und ihre Fehlwahrnehmung

Im Grunde habe ich mich nicht bemüßigt gefühlt, zur sogenannten „Leihmutterschaftsaffäre“ um Jens Spahn irgendetwas zu sagen. Nun tue ich es hier trotzdem. Warum? Weil die öffentliche Debatte den Kern systematisch verfehlt. Und weil Spahns eigener Umgang mit der Situation — sein Rücktritt, seine Erklärung, seine Vernebelung — selbst Teil davon ist.… Weiterlesen ...

Misstrauen als Politik – Die Krankschreibung ab Tag eins

Der Beschluss der Koalition, Krankschreibungen verpflichtend bereits ab dem ersten Krankheitstag vorlegen zu müssen, stößt – offenbar zum Erstaunen der Regierungsmannschaft – auf massive Kritik von buchstäblich allen Seiten. Das verwundert nicht. Denn vom sachlichen Gehalt der Kritik abgesehen ist die Maßnahme Symptom eines tieferen Problems: eines Misstrauensparadigmas gegenüber der Arbeitnehmerschaft und eines Bruchs der demokratischen Moderationsrolle, die Politik gegenüber asymmetrischen Machtverhältnissen in der Arbeitswelt ausüben muss.… Weiterlesen ...

Wie Semantik zum Politikinhalt wird

Einmal mehr mischt sich in meine analytische Arbeit ein Grundton von Verzweiflung. Nicht, weil die Lage völlig hoffnungslos wäre, sondern weil die politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsträger in einem Hamsterrad aus Routinen, Reflexen und semantischen Selbsttäuschungen gefangen sind, das längst gefährliche Drehzahlen erreicht hat. Und sie merken es nicht.

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Die Generationenlüge – Zur politischen Funktion eines Ersatzkonflikts

Es gibt Texte, die einen nicht nur irritieren, sondern sprachlos machen – und zwar nicht wegen ihrer Argumentation, sondern wegen der publizistischen Setzung, die sie darstellen. Der jüngste SPIEGEL‑Leitartikel zur angeblichen „Tyrannei der Alten“ (SPIEGEL 26/2026 und SPIEGEL online, Link frei lesbar) gehört in diese Kategorie. Redaktionell illustriert mit einem Foto wohlhabender Senioren im Sonnenurlaub und einer Bildunterschrift von der „bestversorgten Rentnergeneration aller Zeiten“, behauptet er eine gesellschaftliche Realität, die mit dem Leben der meisten Rentnerinnen und Rentner in Deutschland kaum etwas zu tun hat.… Weiterlesen ...

Ökonomie ist kein Waschmaschinen-Programm

Ein Essay über Zölle, Selbstzufriedenheit und die Illusion der einfachen Antworten

Screenshot: SPIEGEL online, 21.05.2025

Es gehört zu den Ritualen der deutschen Öffentlichkeit, dass ökonomische Entwicklungen gern in die Dramaturgie eines Katastrophenfilms gegossen werden. Selbst der SPIEGEL beherrscht dieses Genre inzwischen virtuos. „Trumps Zölle drücken den deutschen Exportüberschuss um ein Drittel“, heißt es dann, und schon steht das Bild einer bedrohten Volkswirtschaft im Raum, die unter dem Druck amerikanischer Willkür ächzt.… Weiterlesen ...

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