Es gehört zu den hartnäckigsten politischen Erzählungen der letzten Zeit, dass Sachsen‑Anhalt „abgehängt“ sei: übersehen, vergessen, materiell benachteiligt. Ein Land, das angeblich aus wirtschaftlicher Not heraus politisch nach rechts driftet. Doch diese Diagnose hält einer nüchternen Prüfung nicht stand. Die Fakten zeigen ein anderes Bild – und sie zeigen, dass die aktuellen Erfolge der AfD nicht aus Armut und materiellem Prekariat entstanden sind, sondern aus einem jahrzehntelang gewachsenen sozialen Spannungsfeld, das mit ökonomischen Kategorien kaum zu fassen ist.… Weiterlesen ...
Kategorie: Ökonomie Seite 1 von 5
Ein Kommentar

Manchmal entfernt sich die publizistische Wirklichkeit von der ökonomischen Realität so weit, dass man sich fragt, ob beide überhaupt noch denselben Gegenstand betrachten. Die jüngsten FAZ‑Texte über Volkswagen gehören in diese Kategorie. Schon gestern wurde der Konzern in einem Kommentar als Musterbeispiel dafür präsentiert, wie Deutschland sich „zum Wandel aufraffen“ könne – eine bemerkenswerte Überhöhung, die den nüchternen Befund der Lage weit hinter sich ließ.… Weiterlesen ...
Es gab einmal eine Zeit, in der es völlig unstrittig war, dass die Beschäftigten real am Produktivitätsfortschritt beteiligt werden müssen. Das war kein moralischer Anspruch, sondern ein ökonomisches Grundgesetz: Produktivität steigt → Reallöhne steigen → Sozialstaat stabil → Binnenwirtschaft stark.

Diese Logik war die Grundlage des deutschen Nachkriegsmodells.… Weiterlesen ...
Ein Essay zur Wirtschaftsgeschichte von der Nachkriegszeit bis heute

Es ist bemerkenswert, wie hartnäckig große Teile der deutschen Publizistik an der Schuldenbremse festhalten, als wäre sie die letzte Bastion politischer Vernunft. Dabei zeigt inzwischen eine breite ökonomische Stimmenlage: Das Festhalten an Schuldenbremse und „schwarzer Null“ ist nicht Ausdruck von Disziplin, sondern ein Risiko für die Zukunftsfähigkeit des Landes.

Die moralische Erzählung analog der „schwäbischen Hausfrau“ wirkt dabei wie ein Reflex aus einer anderen Zeit.… Weiterlesen ...
Heute früh (09.07.2026) im Bundestag sprach der Kanzler über das Reformprojekt seiner Koalition im Bundestag. Sichtlich selbstbewusst, sichtlich bewegt. Zu Recht?

Merz spricht über seine Reformpolitik, als sei sie die Vollendung eines verfassungsstaatlichen Projekts, das seit 1949 darauf gewartet habe, endlich „modernisiert“ zu werden. Er tut so, als sei das Grundgesetz eine Art politischer Auftrag, den er nun mit Entschlossenheit und Effizienz erfüllt.… Weiterlesen ...
Der Beschluss der Koalition, Krankschreibungen verpflichtend bereits ab dem ersten Krankheitstag vorlegen zu müssen, stößt – offenbar zum Erstaunen der Regierungsmannschaft – auf massive Kritik von buchstäblich allen Seiten. Das verwundert nicht. Denn vom sachlichen Gehalt der Kritik abgesehen ist die Maßnahme Symptom eines tieferen Problems: eines Misstrauensparadigmas gegenüber der Arbeitnehmerschaft und eines Bruchs der demokratischen Moderationsrolle, die Politik gegenüber asymmetrischen Machtverhältnissen in der Arbeitswelt ausüben muss.… Weiterlesen ...
Einige (sehr) kritische Anmerkungen aus nationalökonomischer Sicht auf den Heilsbringer „kapitalgedeckte Rente“
Was mich an der aktuellen Debatte über die kapitalgedeckte Rente irritiert, ist ein blinder Fleck, der sich quer durch alle Lager zieht: die Vorstellung, Kapitalmärkte hätten mit der realen Wertschöpfung durch Arbeit nichts zu tun. Dabei wussten schon Smith, Ricardo und Marx – bei allen Unterschieden – eines ganz sicher: Wert entsteht durch Arbeit, Kapital ist gespeicherte Arbeit, und Rendite ist ein Anteil am von Arbeit erzeugten Mehrwert.… Weiterlesen ...
Einleitung

Die ökonomische Misere der Gegenwart ist kein Zufallsprodukt und nicht primär eine Reihe einzelner politischer Fehlentscheidungen. Sie ist das Ergebnis einer Umformungsstrategie, die vor mehr als vierzig Jahren begann und deren Wirkung bis heute nachhallt. Der – vielen nicht einmal dem Namen nach bekannte – Washington Consensus, jenes unscheinbare Papier aus elf Prinzipien, war nicht einfach ein wirtschaftspolitisches Programm, sondern die geistige Infrastruktur einer neuen Ordnung.… Weiterlesen ...

Es gibt politische Vorstöße, die weniger durch ihren Inhalt irritieren als durch die Haltung, aus der sie hervorgehen. Der jüngste Vorschlag von SPD‑Generalsekretär Tim Klüssendorf, die berufsständischen Versorgungswerke in die gesetzliche Rentenversicherung zu überführen, gehört genau in diese Kategorie.
Was hier sichtbar wird, ist eine bemerkenswerte Mischung aus Blindheit gegenüber institutionellen Realitäten und Überheblichkeit gegenüber gewachsenen Strukturen, die man offenbar für politisch frei disponibel hält.… Weiterlesen ...