Über Wissenschaft, (Pseudo-)Medizin, Aufklärung, Humanismus und den Irrsinn des Alltags

Kategorie: Ökonomie Seite 1 von 5

Der Balken im eigenen Auge: Warum die Rentendebatte ihre einfachste Wahrheit nicht sehen will

Es gibt politische Debatten, die sich über Jahrzehnte im Kreis drehen, obwohl ihre innere Mechanik so schlicht ist, dass man sie in zwei Sätzen erklären könnte. Die Diskussion über die Zukunft der gesetzlichen Rentenversicherung gehört dazu. Sie ist ein Paradebeispiel dafür, wie politische, ökonomische und gewerkschaftliche Akteure um eine Wahrheit herumreden, die so einfach ist, dass sie fast peinlich wirkt.… Weiterlesen ...

Preise, Politik und die amerikanische Empfindlichkeit

Dass mir aus Kalifornien derzeit Berichte über Supermarktpreise zugetragen werden, die selbst hartgesottenen Westcoast‑Bewohnern die Haare zu Berge stehen lassen, ist kein lokales Kuriosum, sondern ein Symptom. Viele Grundartikel haben inzwischen Mondpreise erreicht, Eier werden zum Luxusgut, und selbst sehr gut Verdienende klagen über die Belastung der ganz normalen Lebenshaltung. San Diego ist ohnehin ein Hochpreisgebiet – aber die Dynamik geht darüber hinaus.… Weiterlesen ...

Warum 2026 nicht 2010 ist – und kein Remake der Eurokrise ansteht

the european central bank at dusk frankfurt germany
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Henrik Müller gehört zu den Wirtschaftsjournalisten, die ich grundsätzlich gern lese: kundig, pointiert, manchmal kühn. Aber wenn er den großen Krisenbogen spannt, neigt er zu einer Dramaturgie, die mehr an die Erzählung der Eurokrise erinnert als an ihre tatsächliche Struktur. Sein jüngstes Stück im SPIEGEL ist dafür ein Beispiel: Müller zeichnet das Bild eines bevorstehenden „Remake“ der Eurokrise, ein drohendes Armageddon, Frankreich im Zentrum der Sorgen, Deutschland als Stabilitätsanker.… Weiterlesen ...

Lebensleistung oder Beitragsstabilität?

Es gibt eine Grundsatzentscheidung, die ein Solidarsystem treffen muss: Will es anerkennen, dass eine lange, durchgehende Erwerbsbiografie – ob 44, 45 oder 46 Jahre – eine vollendete Lebensleistung darstellt? Diese Frage ist verhandelbar in der Zahl, aber nicht im Prinzip. Und ein Solidarsystem, das diesen Grundsatz nicht aushält, hat ein strukturelles Problem.… Weiterlesen ...

Sachsen‑Anhalt: Ein schönes Land im soziologischen Spannungsfeld

Es gehört zu den hartnäckigsten politischen Erzählungen der letzten Zeit, dass Sachsen‑Anhalt „abgehängt“ sei: übersehen, vergessen, materiell benachteiligt. Ein Land, das angeblich aus wirtschaftlicher Not heraus politisch nach rechts driftet. Doch diese Diagnose hält einer nüchternen Prüfung nicht stand. Die Fakten zeigen ein anderes Bild – und sie zeigen, dass die aktuellen Erfolge der AfD nicht aus Armut und materiellem Prekariat entstanden sind, sondern aus einem jahrzehntelang gewachsenen sozialen Spannungsfeld, das mit ökonomischen Kategorien kaum zu fassen ist.… Weiterlesen ...

Das Wunder von Wolfsburg – oder die Kunst, eine Krise wegzuerzählen

Ein Kommentar

Screenshot: FAZ Meinungsnewsletter, 04.09.2025

Manchmal entfernt sich die publizistische Wirklichkeit von der ökonomischen Realität so weit, dass man sich fragt, ob beide überhaupt noch denselben Gegenstand betrachten. Die jüngsten FAZ‑Texte über Volkswagen gehören in diese Kategorie. Schon gestern wurde der Konzern in einem Kommentar als Musterbeispiel dafür präsentiert, wie Deutschland sich „zum Wandel aufraffen“ könne – eine bemerkenswerte Überhöhung, die den nüchternen Befund der Lage weit hinter sich ließ.… Weiterlesen ...

Produktivität, Verteilung und das große Tabu

Es gab einmal eine Zeit, in der es völlig unstrittig war, dass die Beschäftigten real am Produktivitätsfortschritt beteiligt werden müssen. Das war kein moralischer Anspruch, sondern ein ökonomisches Grundgesetz: Produktivität steigt → Reallöhne steigen → Sozialstaat stabil → Binnenwirtschaft stark.

hand grabbing euro bills on desk overflowing with documents
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Diese Logik war die Grundlage des deutschen Nachkriegsmodells.… Weiterlesen ...

Eine Geschichte von Gravitation und Verlust

Ein Essay zur Wirtschaftsgeschichte von der Nachkriegszeit bis heute

Darstellung eines masse­austauschenden Doppelsternsystems (Roche‑Lobe‑Overflow). Die Materie des aufgeblähten Sterns strömt über den inneren Lagrange‑Punkt in Richtung des kompakteren Partners und bildet eine leuchtende Akkretionsscheibe. Ein physikalisches Gleichnis für die gegenwärtige ökonomische Konstellation: Der Finanzmarkt saugt die Substanz der staatlichen Wirtschaftspolitik an, bis deren eigene Gravitation zu schwach wird, um den Energiefluss zu steuern.
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Blind, taub, aber leider nicht stumm – die Schuldenbremse in der Publizistik

Es ist bemerkenswert, wie hartnäckig große Teile der deutschen Publizistik an der Schuldenbremse festhalten, als wäre sie die letzte Bastion politischer Vernunft. Dabei zeigt inzwischen eine breite ökonomische Stimmenlage: Das Festhalten an Schuldenbremse und „schwarzer Null“ ist nicht Ausdruck von Disziplin, sondern ein Risiko für die Zukunftsfähigkeit des Landes.

Screenshot: Spiegel online, 21.07.2026

Die moralische Erzählung analog der „schwäbischen Hausfrau“ wirkt dabei wie ein Reflex aus einer anderen Zeit.… Weiterlesen ...

Des Kanzlers Worte

Heute früh (09.07.2026) im Bundestag sprach der Kanzler über das Reformprojekt seiner Koalition im Bundestag. Sichtlich selbstbewusst, sichtlich bewegt. Zu Recht?

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    Merz spricht über seine Reformpolitik, als sei sie die Vollendung eines verfassungsstaatlichen Projekts, das seit 1949 darauf gewartet habe, endlich „modernisiert“ zu werden. Er tut so, als sei das Grundgesetz eine Art politischer Auftrag, den er nun mit Entschlossenheit und Effizienz erfüllt.… Weiterlesen ...

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