Es gibt politische Debatten, die sich über Jahrzehnte im Kreis drehen, obwohl ihre innere Mechanik so schlicht ist, dass man sie in zwei Sätzen erklären könnte. Die Diskussion über die Zukunft der gesetzlichen Rentenversicherung gehört dazu. Sie ist ein Paradebeispiel dafür, wie politische, ökonomische und gewerkschaftliche Akteure um eine Wahrheit herumreden, die so einfach ist, dass sie fast peinlich wirkt.… Weiterlesen ...
Kategorie: Ökonomie Seite 1 von 5
Dass mir aus Kalifornien derzeit Berichte über Supermarktpreise zugetragen werden, die selbst hartgesottenen Westcoast‑Bewohnern die Haare zu Berge stehen lassen, ist kein lokales Kuriosum, sondern ein Symptom. Viele Grundartikel haben inzwischen Mondpreise erreicht, Eier werden zum Luxusgut, und selbst sehr gut Verdienende klagen über die Belastung der ganz normalen Lebenshaltung. San Diego ist ohnehin ein Hochpreisgebiet – aber die Dynamik geht darüber hinaus.… Weiterlesen ...

Henrik Müller gehört zu den Wirtschaftsjournalisten, die ich grundsätzlich gern lese: kundig, pointiert, manchmal kühn. Aber wenn er den großen Krisenbogen spannt, neigt er zu einer Dramaturgie, die mehr an die Erzählung der Eurokrise erinnert als an ihre tatsächliche Struktur. Sein jüngstes Stück im SPIEGEL ist dafür ein Beispiel: Müller zeichnet das Bild eines bevorstehenden „Remake“ der Eurokrise, ein drohendes Armageddon, Frankreich im Zentrum der Sorgen, Deutschland als Stabilitätsanker.… Weiterlesen ...
Es gibt eine Grundsatzentscheidung, die ein Solidarsystem treffen muss: Will es anerkennen, dass eine lange, durchgehende Erwerbsbiografie – ob 44, 45 oder 46 Jahre – eine vollendete Lebensleistung darstellt? Diese Frage ist verhandelbar in der Zahl, aber nicht im Prinzip. Und ein Solidarsystem, das diesen Grundsatz nicht aushält, hat ein strukturelles Problem.… Weiterlesen ...
Es gehört zu den hartnäckigsten politischen Erzählungen der letzten Zeit, dass Sachsen‑Anhalt „abgehängt“ sei: übersehen, vergessen, materiell benachteiligt. Ein Land, das angeblich aus wirtschaftlicher Not heraus politisch nach rechts driftet. Doch diese Diagnose hält einer nüchternen Prüfung nicht stand. Die Fakten zeigen ein anderes Bild – und sie zeigen, dass die aktuellen Erfolge der AfD nicht aus Armut und materiellem Prekariat entstanden sind, sondern aus einem jahrzehntelang gewachsenen sozialen Spannungsfeld, das mit ökonomischen Kategorien kaum zu fassen ist.… Weiterlesen ...
Ein Kommentar

Manchmal entfernt sich die publizistische Wirklichkeit von der ökonomischen Realität so weit, dass man sich fragt, ob beide überhaupt noch denselben Gegenstand betrachten. Die jüngsten FAZ‑Texte über Volkswagen gehören in diese Kategorie. Schon gestern wurde der Konzern in einem Kommentar als Musterbeispiel dafür präsentiert, wie Deutschland sich „zum Wandel aufraffen“ könne – eine bemerkenswerte Überhöhung, die den nüchternen Befund der Lage weit hinter sich ließ.… Weiterlesen ...
Es gab einmal eine Zeit, in der es völlig unstrittig war, dass die Beschäftigten real am Produktivitätsfortschritt beteiligt werden müssen. Das war kein moralischer Anspruch, sondern ein ökonomisches Grundgesetz: Produktivität steigt → Reallöhne steigen → Sozialstaat stabil → Binnenwirtschaft stark.

Diese Logik war die Grundlage des deutschen Nachkriegsmodells.… Weiterlesen ...
Ein Essay zur Wirtschaftsgeschichte von der Nachkriegszeit bis heute

Es ist bemerkenswert, wie hartnäckig große Teile der deutschen Publizistik an der Schuldenbremse festhalten, als wäre sie die letzte Bastion politischer Vernunft. Dabei zeigt inzwischen eine breite ökonomische Stimmenlage: Das Festhalten an Schuldenbremse und „schwarzer Null“ ist nicht Ausdruck von Disziplin, sondern ein Risiko für die Zukunftsfähigkeit des Landes.

Die moralische Erzählung analog der „schwäbischen Hausfrau“ wirkt dabei wie ein Reflex aus einer anderen Zeit.… Weiterlesen ...
Heute früh (09.07.2026) im Bundestag sprach der Kanzler über das Reformprojekt seiner Koalition im Bundestag. Sichtlich selbstbewusst, sichtlich bewegt. Zu Recht?

Merz spricht über seine Reformpolitik, als sei sie die Vollendung eines verfassungsstaatlichen Projekts, das seit 1949 darauf gewartet habe, endlich „modernisiert“ zu werden. Er tut so, als sei das Grundgesetz eine Art politischer Auftrag, den er nun mit Entschlossenheit und Effizienz erfüllt.… Weiterlesen ...