Über Wissenschaft, (Pseudo-)Medizin, Aufklärung, Humanismus und den Irrsinn des Alltags

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Was die Fälle Spahn und Amthor wirklich zeigen

Der Begriff Dekadenz ist in der politischen Sprache beschädigt. Guido Westerwelle hat ihn einst in einer Weise verwendet, die ihn moralisch kontaminiert hat. Gerade deshalb hüte ich mich davor, ihn leichtfertig zu benutzen. Und doch drängt er sich in diesen Tagen auf – nicht als Vorwurf, sondern als analytische Kategorie. Denn die Fälle Jens Spahn und Philipp Amthor zeigen eine Struktur, die man mit diesem Begriff präzise beschreiben kann: den Verlust der Fähigkeit, die eigene Position im Verhältnis zur Gesellschaft realistisch wahrzunehmen.… Weiterlesen ...

Lebensleistung oder Beitragsstabilität?

Es gibt eine Grundsatzentscheidung, die ein Solidarsystem treffen muss: Will es anerkennen, dass eine lange, durchgehende Erwerbsbiografie – ob 44, 45 oder 46 Jahre – eine vollendete Lebensleistung darstellt? Diese Frage ist verhandelbar in der Zahl, aber nicht im Prinzip. Und ein Solidarsystem, das diesen Grundsatz nicht aushält, hat ein strukturelles Problem.… Weiterlesen ...

Das Wunder von Wolfsburg – oder die Kunst, eine Krise wegzuerzählen

Ein Kommentar

Screenshot: FAZ Meinungsnewsletter, 04.09.2025

Manchmal entfernt sich die publizistische Wirklichkeit von der ökonomischen Realität so weit, dass man sich fragt, ob beide überhaupt noch denselben Gegenstand betrachten. Die jüngsten FAZ‑Texte über Volkswagen gehören in diese Kategorie. Schon gestern wurde der Konzern in einem Kommentar als Musterbeispiel dafür präsentiert, wie Deutschland sich „zum Wandel aufraffen“ könne – eine bemerkenswerte Überhöhung, die den nüchternen Befund der Lage weit hinter sich ließ.… Weiterlesen ...

Blind, taub, aber leider nicht stumm – die Schuldenbremse in der Publizistik

Es ist bemerkenswert, wie hartnäckig große Teile der deutschen Publizistik an der Schuldenbremse festhalten, als wäre sie die letzte Bastion politischer Vernunft. Dabei zeigt inzwischen eine breite ökonomische Stimmenlage: Das Festhalten an Schuldenbremse und „schwarzer Null“ ist nicht Ausdruck von Disziplin, sondern ein Risiko für die Zukunftsfähigkeit des Landes.

Screenshot: Spiegel online, 21.07.2026

Die moralische Erzählung analog der „schwäbischen Hausfrau“ wirkt dabei wie ein Reflex aus einer anderen Zeit.… Weiterlesen ...

Die Causa Spahn und ihre Fehlwahrnehmung

Im Grunde habe ich mich nicht bemüßigt gefühlt, zur sogenannten „Leihmutterschaftsaffäre“ um Jens Spahn irgendetwas zu sagen. Nun tue ich es hier trotzdem. Warum? Weil die öffentliche Debatte den Kern systematisch verfehlt. Und weil Spahns eigener Umgang mit der Situation — sein Rücktritt, seine Erklärung, seine Vernebelung — selbst Teil davon ist.… Weiterlesen ...

Publizistische Verantwortung und die Grenzen der Dramaturgie

Ich habe mein SPIEGEL‑Abo gekündigt. Nicht aus Affekt, sondern aus der nüchternen Beobachtung einer publizistischen Verschiebung, einem zunehmenden Verlust analytischer Fähigkeit und der Wandlung von der Analyse zum Narrativ. Einige Beispiele dafür finden sich auf diesem Blog. Und schon der erste Blick in die frei zugängliche SPON‑Ausgabe am nächsten Morgen genügte, um mich in dieser Entscheidung zu bestätigen.… Weiterlesen ...

Wenn Kapitaldeckung zur Ersatzreligion wird

Screenshot: SPIEGEL online

Es gibt Texte, bei denen man sich fragt, wie viel ökonomische Systemkenntnis man eigentlich voraussetzen darf, bevor man einem Leitmedium eine rentenpolitische Deutungshoheit überlässt. Der jüngste SPIEGEL‑Kommentar zur „Schweden‑Rente“ gehört in diese Kategorie. Er ist ein Musterbeispiel dafür, wie man ein komplexes sozialstaatliches System auf die Logik eines Finanzprodukts reduziert – und dabei genau jene Denkfehler reproduziert, die Deutschland schon einmal teuer zu stehen kamen.… Weiterlesen ...

Die Generationenlüge – Zur politischen Funktion eines Ersatzkonflikts

Es gibt Texte, die einen nicht nur irritieren, sondern sprachlos machen – und zwar nicht wegen ihrer Argumentation, sondern wegen der publizistischen Setzung, die sie darstellen. Der jüngste SPIEGEL‑Leitartikel zur angeblichen „Tyrannei der Alten“ (SPIEGEL 26/2026 und SPIEGEL online, Link frei lesbar) gehört in diese Kategorie. Redaktionell illustriert mit einem Foto wohlhabender Senioren im Sonnenurlaub und einer Bildunterschrift von der „bestversorgten Rentnergeneration aller Zeiten“, behauptet er eine gesellschaftliche Realität, die mit dem Leben der meisten Rentnerinnen und Rentner in Deutschland kaum etwas zu tun hat.… Weiterlesen ...

Ökonomie ist kein Waschmaschinen-Programm

Ein Essay über Zölle, Selbstzufriedenheit und die Illusion der einfachen Antworten

Screenshot: SPIEGEL online, 21.05.2025

Es gehört zu den Ritualen der deutschen Öffentlichkeit, dass ökonomische Entwicklungen gern in die Dramaturgie eines Katastrophenfilms gegossen werden. Selbst der SPIEGEL beherrscht dieses Genre inzwischen virtuos. „Trumps Zölle drücken den deutschen Exportüberschuss um ein Drittel“, heißt es dann, und schon steht das Bild einer bedrohten Volkswirtschaft im Raum, die unter dem Druck amerikanischer Willkür ächzt.… Weiterlesen ...

Kommentar: Wenn Journalismus politische Erzählungen übernimmt

Der SPIEGEL‑Artikel zur GKV‑Reform vom 16.04.2026 ist ein Beispiel dafür, wie politischer Journalismus heute häufig funktioniert – und warum das problematisch ist. Es geht nicht um einzelne Autorinnen oder Autoren, und schon gar nicht um politische Absichten. Es geht um ein journalistisches Muster, das sich in den letzten Jahren verstärkt hat: Politische Kommunikation wird zur journalistischen Erzählung, ohne analytische Gegenprüfung.… Weiterlesen ...

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