Es gehört zu den hartnäckigsten politischen Erzählungen der letzten Zeit, dass Sachsen‑Anhalt „abgehängt“ sei: übersehen, vergessen, materiell benachteiligt. Ein Land, das angeblich aus wirtschaftlicher Not heraus politisch nach rechts driftet. Doch diese Diagnose hält einer nüchternen Prüfung nicht stand. Die Fakten zeigen ein anderes Bild – und sie zeigen, dass die aktuellen Erfolge der AfD nicht aus Armut und materiellem Prekariat entstanden sind, sondern aus einem jahrzehntelang gewachsenen sozialen Spannungsfeld, das mit ökonomischen Kategorien kaum zu fassen ist.… Weiterlesen ...
Autor: Udoessen999 Seite 1 von 19
Ein Kommentar

Manchmal entfernt sich die publizistische Wirklichkeit von der ökonomischen Realität so weit, dass man sich fragt, ob beide überhaupt noch denselben Gegenstand betrachten. Die jüngsten FAZ‑Texte über Volkswagen gehören in diese Kategorie. Schon gestern wurde der Konzern in einem Kommentar als Musterbeispiel dafür präsentiert, wie Deutschland sich „zum Wandel aufraffen“ könne – eine bemerkenswerte Überhöhung, die den nüchternen Befund der Lage weit hinter sich ließ.… Weiterlesen ...
Es gab einmal eine Zeit, in der es völlig unstrittig war, dass die Beschäftigten real am Produktivitätsfortschritt beteiligt werden müssen. Das war kein moralischer Anspruch, sondern ein ökonomisches Grundgesetz: Produktivität steigt → Reallöhne steigen → Sozialstaat stabil → Binnenwirtschaft stark.

Diese Logik war die Grundlage des deutschen Nachkriegsmodells.… Weiterlesen ...
Wie eine Plattform ihre eigene Grundlage zerstört

YouTube war über viele Jahre ein globaler Wissensraum: ein Ort für Aufklärung, Wissenschaftskommunikation, seriöse Creator, niederschwellige Bildung und verlässliche Unterhaltung. Doch seit einigen Wochen hat die Plattform eine Schwelle überschritten, die nicht mehr als „mehr Werbung“ beschrieben werden kann.… Weiterlesen ...
Ein Essay zur Wirtschaftsgeschichte von der Nachkriegszeit bis heute

Es ist ein verbreiteter Irrtum zu glauben, man könne eine Partei wie die AfD „politisch‑argumentativ stellen“. Man könne ihr mit Fakten begegnen, mit Programmen, mit Debatten. Man könne sie „entlarven“. Man könne sie „stellen“.

Das setzt voraus, dass man es mit einem politischen Akteur zu tun hat, der im Raum der Argumente operiert.… Weiterlesen ...
Zur demokratiepolitischen Gefahr eines asymmetrischen Kommunikationsstils

Friedrich Merz ist ein begnadeter Nicht‑Kommunikator. Das zeigt sich nicht nur darin, dass er Fragen nicht beantwortet, sondern darin, dass er auf Fragen reagiert, die niemand gestellt hat. Die Szene mit der Kinderärztin bei RTL (die PZ ist eines der wenigen Medien, die die Situation verschriftlicht korrekt beschreibt) ist dafür ein Musterbeispiel: Sie kritisiert das Regierungshandeln und die Verantwortlichkeit von Merz scharf, lässt aber jede Spekulation über Motivationen außen vor.… Weiterlesen ...
Eine der derzeit umlaufenden politischen Schlagzeilen vermeldet, die gesetzliche Bruttoverdienstgrenze von 100.000 Euro, unterhalb der kein Elternunterhalt von Kindern gefordert werden kann, solle fallen. Das ist in der Tat im Gespräch. Nur wird die Folgerung daraus meist sehr verkürzt dargestellt.

Die 100.000-Euro-Grenze war keine materielle Neuregelung des Elternunterhalts, sondern vor allem eine vereinfachende Regelung für die Verwaltungspraxis.… Weiterlesen ...
Es gibt Werbeformen, die man nicht wegklicken kann, weil sie die Faszination eines Autounfalls besitzen. Das „Longevity‑Band“, das derzeit auf YouTube beworben wird, gehört in diese Kategorie. Ein Textilstreifen fürs Handgelenk, der angeblich „unbewusste Regulationen des Körpers“ erkennt, „langfristige Muster“ analysiert und zehntausende Herzinfarkte verhindern könnte – während die Apple Watch „nur Oberflächenwerte“ messe.… Weiterlesen ...
Ein politisches Signal mit riskanter Tiefenstruktur
Der heute bekannt gewordene Kabinettsumbau der Bundesregierung wirkt weniger wie eine administrative Neuordnung, sondern wie ein politisches Statement. Friedrich Merz hätte die Möglichkeit gehabt, die Regierung in einer Phase hoher gesellschaftlicher Anspannung zu stabilisieren und hinsichtlich der von ihm selbst vehement beklagten „Stimmung in der Bevölkerung“ zu deeskalieren.… Weiterlesen ...