Es gibt politische Debatten, die sich über Jahrzehnte im Kreis drehen, obwohl ihre innere Mechanik so schlicht ist, dass man sie in zwei Sätzen erklären könnte. Die Diskussion über die Zukunft der gesetzlichen Rentenversicherung gehört dazu. Sie ist ein Paradebeispiel dafür, wie politische, ökonomische und gewerkschaftliche Akteure um eine Wahrheit herumreden, die so einfach ist, dass sie fast peinlich wirkt.… Weiterlesen ...
Autor: Udoessen999 Seite 1 von 20
Dass mir aus Kalifornien derzeit Berichte über Supermarktpreise zugetragen werden, die selbst hartgesottenen Westcoast‑Bewohnern die Haare zu Berge stehen lassen, ist kein lokales Kuriosum, sondern ein Symptom. Viele Grundartikel haben inzwischen Mondpreise erreicht, Eier werden zum Luxusgut, und selbst sehr gut Verdienende klagen über die Belastung der ganz normalen Lebenshaltung. San Diego ist ohnehin ein Hochpreisgebiet – aber die Dynamik geht darüber hinaus.… Weiterlesen ...

Henrik Müller gehört zu den Wirtschaftsjournalisten, die ich grundsätzlich gern lese: kundig, pointiert, manchmal kühn. Aber wenn er den großen Krisenbogen spannt, neigt er zu einer Dramaturgie, die mehr an die Erzählung der Eurokrise erinnert als an ihre tatsächliche Struktur. Sein jüngstes Stück im SPIEGEL ist dafür ein Beispiel: Müller zeichnet das Bild eines bevorstehenden „Remake“ der Eurokrise, ein drohendes Armageddon, Frankreich im Zentrum der Sorgen, Deutschland als Stabilitätsanker.… Weiterlesen ...
Der Begriff Dekadenz ist in der politischen Sprache beschädigt. Guido Westerwelle hat ihn einst in einer Weise verwendet, die ihn moralisch kontaminiert hat. Gerade deshalb hüte ich mich davor, ihn leichtfertig zu benutzen. Und doch drängt er sich in diesen Tagen auf – nicht als Vorwurf, sondern als analytische Kategorie. Denn die Fälle Jens Spahn und Philipp Amthor zeigen eine Struktur, die man mit diesem Begriff präzise beschreiben kann: den Verlust der Fähigkeit, die eigene Position im Verhältnis zur Gesellschaft realistisch wahrzunehmen.… Weiterlesen ...
Am 22. September 2016 erschien der erste Artikel auf diesem Blog. Zehn Jahre später ist es ein merkwürdiges Gefühl, diese Zahl zu lesen – nicht wegen der Zeitspanne, sondern wegen der Linie, die sich daraus ergibt. Man beginnt einen Blog nie mit dem Gedanken an ein Jahrzehnt. Man beginnt ihn, weil ein Thema drängt, weil eine Frage offen ist, weil ein Impuls hinaus will.… Weiterlesen ...
Cybertrading und die große Verwechslung: Warum Warnhinweise nicht schützen – und die meisten „Privatanleger“ eigentlich Sparer sind

Der SPIEGEL warnt mal wieder vor Cybertrading, in einer großen Themenstrecke. Wieder gibt es Tipps, wie man Betrüger erkennt. Wieder wird erklärt, wie die Masche funktioniert. Diesmal sogar mit der Autorität eines Staatsanwalts.… Weiterlesen ...
Es gehört zu den ältesten Versprechen der Psychologie, das Leben erträglicher und erkennbarer zu machen. Orientierung statt Verwirrung, Struktur statt Überwucherung, Klarheit statt Selbstverwickelung. In jüngerer Zeit aber scheint sich ein gegenteiliger Trend durchzusetzen: Die Psychologie wird zur Lieferantin immer neuer innerer Figuren, Stimmen und Rollen. Nach dem „inneren Kind“ nun also die „innere Oma“ – eine warmherzige Zukunftsprojektion, die uns angeblich zu besseren Entscheidungen verhelfen soll.… Weiterlesen ...
Es gibt eine Grundsatzentscheidung, die ein Solidarsystem treffen muss: Will es anerkennen, dass eine lange, durchgehende Erwerbsbiografie – ob 44, 45 oder 46 Jahre – eine vollendete Lebensleistung darstellt? Diese Frage ist verhandelbar in der Zahl, aber nicht im Prinzip. Und ein Solidarsystem, das diesen Grundsatz nicht aushält, hat ein strukturelles Problem.… Weiterlesen ...
Es gehört zu den hartnäckigsten politischen Erzählungen der letzten Zeit, dass Sachsen‑Anhalt „abgehängt“ sei: übersehen, vergessen, materiell benachteiligt. Ein Land, das angeblich aus wirtschaftlicher Not heraus politisch nach rechts driftet. Doch diese Diagnose hält einer nüchternen Prüfung nicht stand. Die Fakten zeigen ein anderes Bild – und sie zeigen, dass die aktuellen Erfolge der AfD nicht aus Armut und materiellem Prekariat entstanden sind, sondern aus einem jahrzehntelang gewachsenen sozialen Spannungsfeld, das mit ökonomischen Kategorien kaum zu fassen ist.… Weiterlesen ...
Ein Kommentar

Manchmal entfernt sich die publizistische Wirklichkeit von der ökonomischen Realität so weit, dass man sich fragt, ob beide überhaupt noch denselben Gegenstand betrachten. Die jüngsten FAZ‑Texte über Volkswagen gehören in diese Kategorie. Schon gestern wurde der Konzern in einem Kommentar als Musterbeispiel dafür präsentiert, wie Deutschland sich „zum Wandel aufraffen“ könne – eine bemerkenswerte Überhöhung, die den nüchternen Befund der Lage weit hinter sich ließ.… Weiterlesen ...