Manchmal offenbart sich politische Ratlosigkeit nicht in großen Gesten, sondern in kleinen Sätzen. Der SPIEGEL berichtet, die Bundesregierung plane eine „Mieter‑Kostenbremse“: Vermieter sollen künftig die Hälfte der langfristigen Mehrkosten tragen, wenn sie sich beim Neueinbau für eine Öl- oder Gasheizung entscheiden. Die Begründung lautet, die Wahlfreiheit der Vermieter dürfe nicht zur Kostenfalle für Mieter werden.… Weiterlesen ...
Autor: Udoessen999 Seite 1 von 15
Manchmal zeigt sich Kohärenz staatlichen Handelns nicht in dem, was er tut, sondern in dem, was er nicht zusammenbringt.

Aktuelles Beispiel:
Bei der Besoldungserhöhung für Bundesbeamte wird künftig ein Doppelverdiener‑Modell unterstellt. Der Staat geht also typisierend davon aus, dass im Haushalt ein zweites Einkommen vorhanden ist – selbst wenn es gar nicht existiert.… Weiterlesen ...
Was eine Kürzung des Bundeszuschusses zur GKV wirklich bedeutet

In der aktuellen Debatte über die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wird viel von „Milchmädchenrechnungen“ gesprochen. Die moderate Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze gilt manchen als untaugliches Mittel, um die GKV zu stabilisieren. Gleichzeitig wird nun – unter anderem von Lars Klingbeil – offen darüber nachgedacht, den Bundeszuschuss zur GKV zu kürzen.… Weiterlesen ...
Eine kleine Geschichte aus den 1990ern – und der Gegenwart
Es gibt Erinnerungen, die erst Jahrzehnte später ihren wahren Erkenntniswert entfalten. Eine davon kam mir kürzlich wieder in den Sinn: die Einführung der Quellensteuer Anfang der 1990er Jahre. Ein Ereignis, das heute fast vergessen ist – und doch ein erstaunlich helles Licht auf die moralischen Reflexe wirft, die unsere Debatten bis heute prägen.… Weiterlesen ...
Evidenzbasierung als Topic der GKV-Finanzierungsreform

Das Bundesgesundheitsministerium formuliert im Zusammenhang mit der aktuellen GKV-Reform ein Ziel, das lange Zeit kaum politische Wirkung entfaltet hat:
Leistungen sollen nur dann von den Krankenkassen übernommen werden, wenn ihr Nutzen wissenschaftlich nachgewiesen ist.
In der Sache ist das richtig. Und es ist überfällig.… Weiterlesen ...
Manchmal braucht es beim Nachdenken eine kleine Lockerung der Synapsen.
Bei mir war es diesmal eine alte Folge von Einer wird gewinnen mit Hans‑Joachim Kulenkampff, die mir auf YouTube begegnete. Eine Sendung aus dem Jahr 1968 — jenem Jahr, in dem ich meinen Realschulabschluss machte, bei der Stadt Essen in die Verwaltungslehre ging, zeitgleich das Abitur nachholte und schließlich ins Studium wechselte.… Weiterlesen ...
(auf Basis der sehr hilfreichen Zusammenstellung im Deutschen Ärzteblatt)

Die Bundesregierung hat ihre Vorschläge zur Stabilisierung der GKV‑Finanzen vorgelegt. Das Deutsche Ärzteblatt hat die Maßnahmen dankenswerterweise in einer seltenen Klarheit zusammengeführt. Betrachtet man diese Übersicht, ergibt sich ein eindeutiges Bild der Gesamtstruktur:
- Die Mehreinnahmen sind überschaubar und überwiegend einmalig.
- Die Minderausgaben sind deutlich umfangreicher und treffen vor allem die Leistungserbringer.
Der SPIEGEL‑Artikel zur GKV‑Reform vom 16.04.2026 ist ein Beispiel dafür, wie politischer Journalismus heute häufig funktioniert – und warum das problematisch ist. Es geht nicht um einzelne Autorinnen oder Autoren, und schon gar nicht um politische Absichten. Es geht um ein journalistisches Muster, das sich in den letzten Jahren verstärkt hat: Politische Kommunikation wird zur journalistischen Erzählung, ohne analytische Gegenprüfung.… Weiterlesen ...
Die Bundesregierung hat die Energiesteuer auf Benzin und Diesel gesenkt. Für zwei Monate. Kostenpunkt: rund 1,6 Milliarden Euro.

Die RWTH Aachen hat nun ausgerechnet, was dabei herauskommt:
Die einkommensstärksten zehn Prozent sparen 21,64 Euro, die einkommensschwächsten 6,48 Euro.
Das ist nicht überraschend.
Das ist Mathematik Sekundarstufe I.… Weiterlesen ...
Erwerbstätigkeit ist kein Willens-, sondern ein Strukturproblem
Die Forderung, Frauen müssten „mehr in die Erwerbstätigkeit“, gehört inzwischen zum politischen Standardrepertoire. Sie klingt modern, pragmatisch, fast schon alternativlos.
Doch ein Blick in die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigt:
Das Problem liegt nicht bei den Frauen. Das Problem liegt im System.

Die Grafik aus dem Mikrozensus 2023 macht das mit einer fast entwaffnenden Klarheit sichtbar:
- Für die große Mehrheit von Frauen wie Männern ist eigene Erwerbstätigkeit die zentrale Lebensgrundlage.