Dass mir aus Kalifornien derzeit Berichte über Supermarktpreise zugetragen werden, die selbst hartgesottenen Westcoast‑Bewohnern die Haare zu Berge stehen lassen, ist kein lokales Kuriosum, sondern ein Symptom. Viele Grundartikel haben inzwischen Mondpreise erreicht, Eier werden zum Luxusgut, und selbst sehr gut Verdienende klagen über die Belastung der ganz normalen Lebenshaltung. San Diego ist ohnehin ein Hochpreisgebiet – aber die Dynamik geht darüber hinaus.… Weiterlesen ...
Kategorie: Mensch und Leben Seite 1 von 17
Der Begriff Dekadenz ist in der politischen Sprache beschädigt. Guido Westerwelle hat ihn einst in einer Weise verwendet, die ihn moralisch kontaminiert hat. Gerade deshalb hüte ich mich davor, ihn leichtfertig zu benutzen. Und doch drängt er sich in diesen Tagen auf – nicht als Vorwurf, sondern als analytische Kategorie. Denn die Fälle Jens Spahn und Philipp Amthor zeigen eine Struktur, die man mit diesem Begriff präzise beschreiben kann: den Verlust der Fähigkeit, die eigene Position im Verhältnis zur Gesellschaft realistisch wahrzunehmen.… Weiterlesen ...
Es gehört zu den ältesten Versprechen der Psychologie, das Leben erträglicher und erkennbarer zu machen. Orientierung statt Verwirrung, Struktur statt Überwucherung, Klarheit statt Selbstverwickelung. In jüngerer Zeit aber scheint sich ein gegenteiliger Trend durchzusetzen: Die Psychologie wird zur Lieferantin immer neuer innerer Figuren, Stimmen und Rollen. Nach dem „inneren Kind“ nun also die „innere Oma“ – eine warmherzige Zukunftsprojektion, die uns angeblich zu besseren Entscheidungen verhelfen soll.… Weiterlesen ...
Es gehört zu den hartnäckigsten politischen Erzählungen der letzten Zeit, dass Sachsen‑Anhalt „abgehängt“ sei: übersehen, vergessen, materiell benachteiligt. Ein Land, das angeblich aus wirtschaftlicher Not heraus politisch nach rechts driftet. Doch diese Diagnose hält einer nüchternen Prüfung nicht stand. Die Fakten zeigen ein anderes Bild – und sie zeigen, dass die aktuellen Erfolge der AfD nicht aus Armut und materiellem Prekariat entstanden sind, sondern aus einem jahrzehntelang gewachsenen sozialen Spannungsfeld, das mit ökonomischen Kategorien kaum zu fassen ist.… Weiterlesen ...
Es gab einmal eine Zeit, in der es völlig unstrittig war, dass die Beschäftigten real am Produktivitätsfortschritt beteiligt werden müssen. Das war kein moralischer Anspruch, sondern ein ökonomisches Grundgesetz: Produktivität steigt → Reallöhne steigen → Sozialstaat stabil → Binnenwirtschaft stark.

Diese Logik war die Grundlage des deutschen Nachkriegsmodells.… Weiterlesen ...
Ein Essay zur Wirtschaftsgeschichte von der Nachkriegszeit bis heute

Es ist ein verbreiteter Irrtum zu glauben, man könne eine Partei wie die AfD „politisch‑argumentativ stellen“. Man könne ihr mit Fakten begegnen, mit Programmen, mit Debatten. Man könne sie „entlarven“. Man könne sie „stellen“.

Das setzt voraus, dass man es mit einem politischen Akteur zu tun hat, der im Raum der Argumente operiert.… Weiterlesen ...
Eine der derzeit umlaufenden politischen Schlagzeilen vermeldet, die gesetzliche Bruttoverdienstgrenze von 100.000 Euro, unterhalb der kein Elternunterhalt von Kindern gefordert werden kann, solle fallen. Das ist in der Tat im Gespräch. Nur wird die Folgerung daraus meist sehr verkürzt dargestellt.

Die 100.000-Euro-Grenze war keine materielle Neuregelung des Elternunterhalts, sondern vor allem eine vereinfachende Regelung für die Verwaltungspraxis.… Weiterlesen ...
Es gibt Werbeformen, die man nicht wegklicken kann, weil sie die Faszination eines Autounfalls besitzen. Das „Longevity‑Band“, das derzeit auf YouTube beworben wird, gehört in diese Kategorie. Ein Textilstreifen fürs Handgelenk, der angeblich „unbewusste Regulationen des Körpers“ erkennt, „langfristige Muster“ analysiert und zehntausende Herzinfarkte verhindern könnte – während die Apple Watch „nur Oberflächenwerte“ messe.… Weiterlesen ...
Im Grunde habe ich mich nicht bemüßigt gefühlt, zur sogenannten „Leihmutterschaftsaffäre“ um Jens Spahn irgendetwas zu sagen. Nun tue ich es hier trotzdem. Warum? Weil die öffentliche Debatte den Kern systematisch verfehlt. Und weil Spahns eigener Umgang mit der Situation — sein Rücktritt, seine Erklärung, seine Vernebelung — selbst Teil davon ist.… Weiterlesen ...