Über Wissenschaft, (Pseudo-)Medizin, Aufklärung, Humanismus und den Irrsinn des Alltags

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Der Balken im eigenen Auge: Warum die Rentendebatte ihre einfachste Wahrheit nicht sehen will

Es gibt politische Debatten, die sich über Jahrzehnte im Kreis drehen, obwohl ihre innere Mechanik so schlicht ist, dass man sie in zwei Sätzen erklären könnte. Die Diskussion über die Zukunft der gesetzlichen Rentenversicherung gehört dazu. Sie ist ein Paradebeispiel dafür, wie politische, ökonomische und gewerkschaftliche Akteure um eine Wahrheit herumreden, die so einfach ist, dass sie fast peinlich wirkt.… Weiterlesen ...

Preise, Politik und die amerikanische Empfindlichkeit

Dass mir aus Kalifornien derzeit Berichte über Supermarktpreise zugetragen werden, die selbst hartgesottenen Westcoast‑Bewohnern die Haare zu Berge stehen lassen, ist kein lokales Kuriosum, sondern ein Symptom. Viele Grundartikel haben inzwischen Mondpreise erreicht, Eier werden zum Luxusgut, und selbst sehr gut Verdienende klagen über die Belastung der ganz normalen Lebenshaltung. San Diego ist ohnehin ein Hochpreisgebiet – aber die Dynamik geht darüber hinaus.… Weiterlesen ...

Lebensleistung oder Beitragsstabilität?

Es gibt eine Grundsatzentscheidung, die ein Solidarsystem treffen muss: Will es anerkennen, dass eine lange, durchgehende Erwerbsbiografie – ob 44, 45 oder 46 Jahre – eine vollendete Lebensleistung darstellt? Diese Frage ist verhandelbar in der Zahl, aber nicht im Prinzip. Und ein Solidarsystem, das diesen Grundsatz nicht aushält, hat ein strukturelles Problem.… Weiterlesen ...

Die graduelle Verwandlung – Vom Staatsbürger zum Wutbürger

Es ist ein verbreiteter Irrtum zu glauben, man könne eine Partei wie die AfD „politisch‑argumentativ stellen“. Man könne ihr mit Fakten begegnen, mit Programmen, mit Debatten. Man könne sie „entlarven“. Man könne sie „stellen“.

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Das setzt voraus, dass man es mit einem politischen Akteur zu tun hat, der im Raum der Argumente operiert.… Weiterlesen ...

Servicepost: Der Elternunterhalt in der Diskussion

Eine der derzeit umlaufenden politischen Schlagzeilen vermeldet, die gesetzliche Bruttoverdienstgrenze von 100.000 Euro, unterhalb der kein Elternunterhalt von Kindern gefordert werden kann, solle fallen. Das ist in der Tat im Gespräch. Nur wird die Folgerung daraus meist sehr verkürzt dargestellt.

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Die 100.000-Euro-Grenze war keine materielle Neuregelung des Elternunterhalts, sondern vor allem eine vereinfachende Regelung für die Verwaltungspraxis.… Weiterlesen ...

Lebe länger mit YT-Werbung!

Es gibt Werbeformen, die man nicht wegklicken kann, weil sie die Faszination eines Autounfalls besitzen. Das „Longevity‑Band“, das derzeit auf YouTube beworben wird, gehört in diese Kategorie. Ein Textilstreifen fürs Handgelenk, der angeblich „unbewusste Regulationen des Körpers“ erkennt, „langfristige Muster“ analysiert und zehntausende Herzinfarkte verhindern könnte – während die Apple Watch „nur Oberflächenwerte“ messe.… Weiterlesen ...

Zur Schufa – ganz generell und ganz persönlich

Warum das Geo‑Scoring der Schufa die Realität verfehlt

Altes Krayer Rathaus,
Ausdruck einer wohlhabenden Arbeitergemeinde der 1930er Jahre.
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Die Schufa ist derzeit mal wieder in aller Munde. Trifft es zu, was unter anderem der NDR ermittelt haben will, dann führt die Schufa eine Schattendatenbank mit der gesamten Historie früherer Einträge.… Weiterlesen ...

Misstrauen als Politik – Die Krankschreibung ab Tag eins

Der Beschluss der Koalition, Krankschreibungen verpflichtend bereits ab dem ersten Krankheitstag vorlegen zu müssen, stößt – offenbar zum Erstaunen der Regierungsmannschaft – auf massive Kritik von buchstäblich allen Seiten. Das verwundert nicht. Denn vom sachlichen Gehalt der Kritik abgesehen ist die Maßnahme Symptom eines tieferen Problems: eines Misstrauensparadigmas gegenüber der Arbeitnehmerschaft und eines Bruchs der demokratischen Moderationsrolle, die Politik gegenüber asymmetrischen Machtverhältnissen in der Arbeitswelt ausüben muss.… Weiterlesen ...

Kapitaldeckung ist kein Fortschritt — sondern die Fortschreibung des Problems

Einige (sehr) kritische Anmerkungen aus nationalökonomischer Sicht auf den Heilsbringer „kapitalgedeckte Rente“

Was mich an der aktuellen Debatte über die kapitalgedeckte Rente irritiert, ist ein blinder Fleck, der sich quer durch alle Lager zieht: die Vorstellung, Kapitalmärkte hätten mit der realen Wertschöpfung durch Arbeit nichts zu tun. Dabei wussten schon Smith, Ricardo und Marx – bei allen Unterschieden – eines ganz sicher: Wert entsteht durch Arbeit, Kapital ist gespeicherte Arbeit, und Rendite ist ein Anteil am von Arbeit erzeugten Mehrwert.… Weiterlesen ...

Wenn Politik übergriffig wird

Screenshot: Ärzteblatt, 22.06.2026

Es gibt politische Vorstöße, die weniger durch ihren Inhalt irritieren als durch die Haltung, aus der sie hervorgehen. Der jüngste Vorschlag von SPD‑Generalsekretär Tim Klüssendorf, die berufsständischen Versorgungswerke in die gesetzliche Rentenversicherung zu überführen, gehört genau in diese Kategorie.

Was hier sichtbar wird, ist eine bemerkenswerte Mischung aus Blindheit gegenüber institutionellen Realitäten und Überheblichkeit gegenüber gewachsenen Strukturen, die man offenbar für politisch frei disponibel hält.… Weiterlesen ...

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