Der Begriff Dekadenz ist in der politischen Sprache beschädigt. Guido Westerwelle hat ihn einst in einer Weise verwendet, die ihn moralisch kontaminiert hat. Gerade deshalb hüte ich mich davor, ihn leichtfertig zu benutzen. Und doch drängt er sich in diesen Tagen auf – nicht als Vorwurf, sondern als analytische Kategorie. Denn die Fälle Jens Spahn und Philipp Amthor zeigen eine Struktur, die man mit diesem Begriff präzise beschreiben kann: den Verlust der Fähigkeit, die eigene Position im Verhältnis zur Gesellschaft realistisch wahrzunehmen.… Weiterlesen ...
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Es gibt eine Grundsatzentscheidung, die ein Solidarsystem treffen muss: Will es anerkennen, dass eine lange, durchgehende Erwerbsbiografie – ob 44, 45 oder 46 Jahre – eine vollendete Lebensleistung darstellt? Diese Frage ist verhandelbar in der Zahl, aber nicht im Prinzip. Und ein Solidarsystem, das diesen Grundsatz nicht aushält, hat ein strukturelles Problem.… Weiterlesen ...
Ich habe mein SPIEGEL‑Abo gekündigt. Nicht aus Affekt, sondern aus der nüchternen Beobachtung einer publizistischen Verschiebung, einem zunehmenden Verlust analytischer Fähigkeit und der Wandlung von der Analyse zum Narrativ. Einige Beispiele dafür finden sich auf diesem Blog. Und schon der erste Blick in die frei zugängliche SPON‑Ausgabe am nächsten Morgen genügte, um mich in dieser Entscheidung zu bestätigen.… Weiterlesen ...

Es gibt Texte, bei denen man sich fragt, wie viel ökonomische Systemkenntnis man eigentlich voraussetzen darf, bevor man einem Leitmedium eine rentenpolitische Deutungshoheit überlässt. Der jüngste SPIEGEL‑Kommentar zur „Schweden‑Rente“ gehört in diese Kategorie. Er ist ein Musterbeispiel dafür, wie man ein komplexes sozialstaatliches System auf die Logik eines Finanzprodukts reduziert – und dabei genau jene Denkfehler reproduziert, die Deutschland schon einmal teuer zu stehen kamen.… Weiterlesen ...
Es gibt Texte, die einen nicht nur irritieren, sondern sprachlos machen – und zwar nicht wegen ihrer Argumentation, sondern wegen der publizistischen Setzung, die sie darstellen. Der jüngste SPIEGEL‑Leitartikel zur angeblichen „Tyrannei der Alten“ (SPIEGEL 26/2026 und SPIEGEL online, Link frei lesbar) gehört in diese Kategorie. Redaktionell illustriert mit einem Foto wohlhabender Senioren im Sonnenurlaub und einer Bildunterschrift von der „bestversorgten Rentnergeneration aller Zeiten“, behauptet er eine gesellschaftliche Realität, die mit dem Leben der meisten Rentnerinnen und Rentner in Deutschland kaum etwas zu tun hat.… Weiterlesen ...
Ein Essay über Zölle, Selbstzufriedenheit und die Illusion der einfachen Antworten

Es gehört zu den Ritualen der deutschen Öffentlichkeit, dass ökonomische Entwicklungen gern in die Dramaturgie eines Katastrophenfilms gegossen werden. Selbst der SPIEGEL beherrscht dieses Genre inzwischen virtuos. „Trumps Zölle drücken den deutschen Exportüberschuss um ein Drittel“, heißt es dann, und schon steht das Bild einer bedrohten Volkswirtschaft im Raum, die unter dem Druck amerikanischer Willkür ächzt.… Weiterlesen ...
Der SPIEGEL‑Artikel zur GKV‑Reform vom 16.04.2026 ist ein Beispiel dafür, wie politischer Journalismus heute häufig funktioniert – und warum das problematisch ist. Es geht nicht um einzelne Autorinnen oder Autoren, und schon gar nicht um politische Absichten. Es geht um ein journalistisches Muster, das sich in den letzten Jahren verstärkt hat: Politische Kommunikation wird zur journalistischen Erzählung, ohne analytische Gegenprüfung.… Weiterlesen ...

Die jüngste SPIEGEL-Titelstory über „die Beamten“ enthält vieles, was nicht falsch ist. Gerade das macht ihn problematisch. Denn er reiht richtige Einzelbeobachtungen aneinander, ohne sie kausal zu verbinden, und lenkt die Aufmerksamkeit auf die falsche Adresse. Kritik wird personalisiert, wo sie strukturell sein müsste.
Das Pensionslasten-Missverständnis
Das zentrale Beispiel dafür sind die immer wieder beklagten Pensionslasten.… Weiterlesen ...
Es gibt Traditionen, die man pflegt, und solche, die man irgendwann aufgibt.
Der SPIEGEL hat sich offenbar entschieden, das neue Jahr mit einem kleinen sprachlichen Befreiungsschlag zu beginnen. Gleich im ersten Artikel des Jahres liest man dort:
„… vor allem wegen gefährlichen Aktionen mit Böllern und Raketen.“


Nikolaus Blome hin oder her. Ich habe ihn immer als Reibungsfläche geschätzt, weil in seinen oft nicht unproblematischen Kommentaren immer etwas Anregendes oder Bemerkenswertes enthalten war. Manchmal auch ein Geistesblitz oder sogar ein hintergründiger Humor.
Aber wer einen derartigen Claim vor seinen Beitrag bei Spiegel online setzt, der braucht bei mir künftig nicht mehr mit Interesse und Wertschätzung zu rechnen.… Weiterlesen ...