Science and Sense – Endruscheit bloggt

Über Wissenschaft, (Pseudo-)Medizin, Aufklärung, Humanismus und den Irrsinn des Alltags

Der Washington Consensus und der Einbruch des Neoliberalismus in die Realwirtschaft

Einleitung

businessman walking in frankfurt s financial district
Photo by xheimmer on Pexels.com

Die ökonomische Misere der Gegenwart ist kein Zufallsprodukt und nicht primär eine Reihe einzelner politischer Fehlentscheidungen. Sie ist das Ergebnis einer Umformungsstrategie, die vor mehr als vierzig Jahren begann und deren Wirkung bis heute nachhallt. Der – vielen nicht einmal dem Namen nach bekannte – Washington Consensus, jenes unscheinbare Papier aus elf Prinzipien, war nicht einfach ein wirtschaftspolitisches Programm, sondern die geistige Infrastruktur einer neuen Ordnung.… Weiterlesen ...

Zwischen Höflichkeit und Schleimspur – Predatory Journals und die Untiefen des wissenschaftlichen Publikationswesens

Manchmal landen E‑Mails im Postfach, die so viel Schleim versprühen, dass man sie eigentlich mit Gummihandschuhen öffnen müsste. Besonders hübsch wird es, wenn der Absender versucht, Seriosität zu simulieren, aber schon im ersten Satz über die eigenen Platzhalter stolpert. „Dear Dr. ,“ – mehr muss man über die Sorgfalt des Absenders nicht wissen.… Weiterlesen ...

Wenn Politik übergriffig wird

Screenshot: Ärzteblatt, 22.06.2026

Es gibt politische Vorstöße, die weniger durch ihren Inhalt irritieren als durch die Haltung, aus der sie hervorgehen. Der jüngste Vorschlag von SPD‑Generalsekretär Tim Klüssendorf, die berufsständischen Versorgungswerke in die gesetzliche Rentenversicherung zu überführen, gehört genau in diese Kategorie.

Was hier sichtbar wird, ist eine bemerkenswerte Mischung aus Blindheit gegenüber institutionellen Realitäten und Überheblichkeit gegenüber gewachsenen Strukturen, die man offenbar für politisch frei disponibel hält.… Weiterlesen ...

Wenn Kapitaldeckung zur Ersatzreligion wird

Screenshot: SPIEGEL online

Es gibt Texte, bei denen man sich fragt, wie viel ökonomische Systemkenntnis man eigentlich voraussetzen darf, bevor man einem Leitmedium eine rentenpolitische Deutungshoheit überlässt. Der jüngste SPIEGEL‑Kommentar zur „Schweden‑Rente“ gehört in diese Kategorie. Er ist ein Musterbeispiel dafür, wie man ein komplexes sozialstaatliches System auf die Logik eines Finanzprodukts reduziert – und dabei genau jene Denkfehler reproduziert, die Deutschland schon einmal teuer zu stehen kamen.… Weiterlesen ...

Wie Semantik zum Politikinhalt wird

Einmal mehr mischt sich in meine analytische Arbeit ein Grundton von Verzweiflung. Nicht, weil die Lage völlig hoffnungslos wäre, sondern weil die politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsträger in einem Hamsterrad aus Routinen, Reflexen und semantischen Selbsttäuschungen gefangen sind, das längst gefährliche Drehzahlen erreicht hat. Und sie merken es nicht.

a crowd of people in religious gathering
Photo by Luis Quintero on Pexels.com
Weiterlesen ...

Miniatur: Die Verheißung des großen Geldes

euro banknotes display in fan arrangement
Photo by Christina & Peter on Pexels.com

Es gibt Sätze, die verraten mehr über eine Institution als jedes Leitbild.
„16 Millionen im Jackpot! Erfülle dir den Traum vom großen Geld!“ ist so einer.

Er stammt nicht von einem Online‑Casino, nicht von einem Sportwettenanbieter, nicht aus der Welt der blinkenden Banner und der algorithmisch optimierten Gier.… Weiterlesen ...

Die Generationenlüge – Zur politischen Funktion eines Ersatzkonflikts

Es gibt Texte, die einen nicht nur irritieren, sondern sprachlos machen – und zwar nicht wegen ihrer Argumentation, sondern wegen der publizistischen Setzung, die sie darstellen. Der jüngste SPIEGEL‑Leitartikel zur angeblichen „Tyrannei der Alten“ (SPIEGEL 26/2026 und SPIEGEL online, Link frei lesbar) gehört in diese Kategorie. Redaktionell illustriert mit einem Foto wohlhabender Senioren im Sonnenurlaub und einer Bildunterschrift von der „bestversorgten Rentnergeneration aller Zeiten“, behauptet er eine gesellschaftliche Realität, die mit dem Leben der meisten Rentnerinnen und Rentner in Deutschland kaum etwas zu tun hat.… Weiterlesen ...

Kein Geld bei der Bahn

Screenshot: Spiegel online, 14.06.2026

Das „Milliardengrab“ Stuttgart 21 ist in vielerlei Hinsicht ein Lehrstück dafür, wie Großprojekte scheitern können, ohne jemals offiziell als gescheitert zu gelten. Gerade erst hat Bahnchefin Evelyn Palla die vorsichtig avisierte Inbetriebnahme Ende 2026 wieder gecancelt – und, was wunder, hat sich der Finanzierungsbedarf nochmals erhöht.

Man muss dabei zwei Ebenen unterscheiden:

Die infrastrukturelle Ebene:
Die Bahn hatte ursprünglich durchaus rationale Interessen: die Neuordnung des Bahnknotens Stuttgart, die Anbindung an die Neubaustrecke Richtung Ulm, die Beseitigung betrieblicher Engpässe.… Weiterlesen ...

Zum Sozialstaatsversprechen

Es gibt politische Debatten, die bleiben abstrakt. Und es gibt Debatten, die treffen einen an der empfindlichsten Stelle, weil sie das eigene Leben berühren. Die Diskussion darüber, ob Familien künftig stets ihr Eigenheim verwerten sollen, bevor der Sozialstaat hilft, gehört für mich zur zweiten Kategorie. Nicht, weil ich selbst betroffen wäre, ich verfüge über keine nennenswerten Vermögenswerte, geschweige denn Immobilien.… Weiterlesen ...

Politikverdrossenheit oder Politikverlorenheit?

Eine Miniatur über institutionelle Blindstellen

Es gibt diese kleinen Momente, in denen sich ein großes gesellschaftliches Problem in einer beiläufigen Alltagsszene verdichtet. Neulich war es eine Petition in meinem Postfach. Ein Mann mit einer schweren körperlichen Einschränkung, frustriert, betroffen, gutwillig, emotional auf den ersten Blick nachvollziehbar – und institutionell völlig orientierungslos.… Weiterlesen ...

Seite 2 von 39

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén