Es ist jedes Jahr dasselbe Schauspiel und auch diesmal hört man das Glöckchen des Finanzminsters:
Die Politik entdeckt plötzlich, dass der Haushalt „enger wird“, die Schuldenbremse „zwickt“ und die Steuereinnahmen „leider nicht so sprudeln wie erhofft“.
Und dann kommt sie wieder aus der Mottenkiste: die Rasenmäher‑Methode.

Man kennt das.
Man sitzt in irgendeinem Gremium, hat die Haushaltsansätze über Jahre auf ein funktionales Minimum heruntergedrückt, hat jede Zeile dreimal umgedreht, jede Ausgabe begründet, jede Einsparung durchlitten – und dann kommt jemand mit glänzenden Augen und sagt:
„Wir müssen jetzt einfach mal überall fünf Prozent kürzen.“
Natürlich. Warum auch nicht.
Schließlich weiß niemand besser als die, die seit Jahren mit dem Rotstift durch die Strukturen pflügen, dass da noch ungehobene Schätze liegen.
In der Realität nennt man diese Schätze: Personal, Versorgung, Infrastruktur, Funktionsfähigkeit.
Und dann wird es richtig hübsch ironisch:
Ausgerechnet jene, die den Rasenmäher als „Bürokratieabbau“ verkaufen, lösen damit die denkbar größte Bürokratieoperation aus.
Denn pauschale Kürzungen bedeuten:
- jede Förderung neu prüfen
- jede Ausnahme neu definieren
- jede Struktur neu rechtfertigen
- jede Fachabteilung in Krisenrunden schicken
- jede Leitungsebene in politische Abwehrkämpfe treiben
Kurz:
Man spart nicht – man beschäftigt sich kaputt.
Und hier kommt der Satz, den niemand laut sagt, aber jeder denkt, der jemals Verantwortung getragen hat:
Es ist immer noch besser, sich von einer wichtigen, aber niedrig zu priorisierenden Aufgabe ganz zu verabschieden, als den gesamten Aufgabenkatalog ins Straucheln zu bringen.
Das ist nicht Zynismus. Das ist institutionelle Selbsterhaltung.
Und es ist genau das, was der 130. Deutsche Ärztetag gerade fordert:
ehrliche Priorisierung statt technokratischer Illusionen.
Denn wer glaubt, man könne mit pauschalen fünf Prozent weniger plötzlich effizienter werden, glaubt auch, dass digitale Triage die Versorgung entlastet.
Wer Priorisierung scheut, greift zum Rasenmäher – und wundert sich dann, wenn am Ende nicht Ordnung entsteht, sondern ein verwüsteter Garten. Die Politik der Illusionen nennt das Modernisierung. Die Versorgung nennt es: bitte nicht schon wieder.
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