Ich habe mein SPIEGEL‑Abo gekündigt. Nicht aus Affekt, sondern aus der nüchternen Beobachtung einer publizistischen Verschiebung, einem zunehmenden Verlust analytischer Fähigkeit und der Wandlung von der Analyse zum Narrativ. Einige Beispiele dafür finden sich auf diesem Blog. Und schon der erste Blick in die frei zugängliche SPON‑Ausgabe am nächsten Morgen genügte, um mich in dieser Entscheidung zu bestätigen.

Ein übergroßes Foto, das eine Figur ins Zentrum rückt. Ein Teaser, der suggeriert, eine einzelne Wissenschaftlerin „sorge“ für höhere Beamtengehälter. Und eine Nebenbemerkung, die mit dem eigentlichen Thema nichts zu tun hat, aber zuverlässig einen altbekannten Affekt bedient. Die strukturelle Logik der Besoldungsreform bleibt unsichtbar: Die Bundesregierung ist durch das Bundesverfassungsgericht verpflichtet, die Besoldung neu zu ordnen. Dafür braucht sie belastbare Modelle, die die verfassungsrechtlichen Vorgaben operationalisieren. Genau dafür wurde Gisela Färber beauftragt — nicht als politische Akteurin, sondern als Instrument der Umsetzung.
Umso irritierender ist, dass sie sich überhaupt für ein derart dramaturgisch aufgeladenes Stück zur Verfügung stellt. Eine Wissenschaftlerin, die einen staatlichen Auftrag erfüllt, hat die Möglichkeit — und aus meiner Sicht die Pflicht — frühzeitig zu sagen: „Nein, das ist nicht der angemessene Rahmen für meine Arbeit.“ Stattdessen hat sie den Prozess laufen lassen, bis zu einer Veröffentlichung, die sie nicht nur in eine falsche Rolle drängt, sondern sie auch mit einem handwerklich völlig missratenen Foto präsentiert: unvorteilhaft, unruhig, schlecht komponiert. Es ist nicht veröffentlichungsfähig — und gerade deshalb ein Symptom.
Das Problem ist nicht der einzelne Teaser. Er ist ein Paradigma für eine publizistische Haltung, die sich in der Bereitschaft zeigt, institutionelle Prozesse zu personalisieren; in der Neigung, verfassungsrechtliche Bindungen in emotionale Erzählungen aufzulösen; in der Verwechslung von journalistischer Vermittlung mit dramaturgischer Zuspitzung. Epistemische Verantwortung verliert sich genau dort, wo man diese Mechanik nicht mehr hinnimmt.
Und so viel semantischer Nebel in einem einzigen Teaser reicht aus, um zu wissen, dass ich dieses Abo nicht mehr brauche.
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